Wie schläft man richtig?

Von Stephan

Schlafforscher Prof. Dr. Zulley im Interview

Unser Schlaf gehört zu den essenziellen Dingen des Lebens. Guter Schlaf ist notwendig für unsere Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden. Wir haben den Diplom-Psychologen Prof. Dr. Jürgen Zulley, einen der renommiertesten Schlafforscher Deutschlands gewinnen können, mit uns über guten Schlaf sowie die Bedeutung von Schlafen und Wachen zu sprechen.

Prof.Dr.ZulleyProf. Dr. Zulley spricht mit uns über das Schlafen
(Bild wurde netterweise von Herrn Prof. Dr. Zulley zur Verfügung gestellt)

Man kann sowohl zu wenig als auch zu viel schlafen. Woran erkennt man, wie viel Schlaf man braucht?
Man hat genug geschlafen, wenn man sich tagsüber überwiegend ausgeschlafen fühlt. Überwiegend, weil ein Mittagstief immer erlaubt ist. Es geht also nicht darum, wie lange man schläft oder wie gut man meint, geschlafen zu haben, sondern um die Konsequenzen des Schlafes.

Das heißt, es ist nicht automatisch ein Zeichen von Schlafmangel, wenn man morgens nur mit einem Wecker wach wird?
Nein, wobei viele wohl mehr schlafen könnten. Ohnehin geht es weniger um die Schlafdauer als um die Schlafqualität! Aber wenn man morgens einen Wecker zum Aufstehen braucht, sich aber sonst tagsüber gut fühlt, heißt das nicht, dass man einen Schlafmangel hat.

Was genau sind denn Kriterien für gute Schlafqualität?
Nun, die Qualität lässt sich leider nur professionell im Schlaflabor messen. Vor allen Dingen ist die Menge an Tiefschlaf wichtig. Es gibt verschiedene Schlafstadien und der sogenannte Tiefschlaf ist das wichtigste Stadium. Wenn man also tagsüber müde ist, heißt das streng genommen nicht, dass man zu wenig geschlafen hat, sondern zu wenig Tiefschlaf hatte. Und es gibt weitere Kriterien, z.B. wenn man zu lange wach liegt, zu unruhig schläft. Aber das alles können wir eigentlich nur im Schlaflabor messen. Mit subjektiven Angaben liegt man oft schief, eigentlich sollte man gar nicht erst versuchen, seinen Schlaf subjektiv zu beurteilen.

schlafenAfrica Studio/shutterstock.com

Kann man seinen Körper an weniger Schlaf gewöhnen?
Es ist natürlich eine gewisse Variabilität gegeben, wie in allen biologischen Daten. Aber ich würde grundsätzlich nicht empfehlen, die Schlafdauer zu verkürzen. Es gibt ja auch Menschen, die damit angegeben, mit wie wenig Schlaf sie auszukommen. Ich hoffe, das ist langsam überholt. Natürlich kann man auch mal mit weniger Schlaf auskommen. Aber systematisch weniger zu schlafen, halte ich für keine gute Idee.

Zu wenig Schlaf kann krank, dumm und dick machen. Das sollte man also nicht probieren. Es gibt allerdings auch ein Problem bei Leuten, die zu viel schlafen, zum Beispiel bei einigen Menschen im Ruhestand, die weniger sozialen Verpflichtungen haben und morgens keine Termine haben. Diese tendieren dazu, länger zu schlafen und das ist auch nicht gut. Die meisten Menschen brauchen etwa 7 Stunden Schlaf, aber das muss jeder für sich selber herausfinden.

Sie sagen, dass zu wenig Schlaf dick macht, ist da wirklich ein direkter Zusammenhang erkennbar?
Ja, das haben Studien gezeigt. Das ist natürlich nicht bei allen so, aber es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Übergewicht, wenn man zu wenig schläft. Übrigens auch schon bei Kindern und Jugendlichen. Nicht aber bei einer chronischen behandlungsbedürftigen Schlafstörung, hier kehrt sich der Effekt um und diese Patienten zeigen kein Übergewicht. Andere Faktoren sind hierfür zuständig.

Woher kommt dieser Zusammenhang?
Einige Hormone, die wir im Schlaf ausschütten, führen zu einem Sättigungsgefühl. Schlafen wir weniger, werden weniger solcher Sättigungshormone ausgeschüttet und wir essen tagsüber mehr. Das ist eine der Ursachen. Wahrscheinlich ist auch, dass andere Faktoren, die zu dem verkürzten Schlaf führen, auch das Körpergewicht beeinflussen können. Ansonsten wissen wir, wie in anderen medizinischen Bereichen auch, nicht ganz genau, woran es liegt. In Studien wird der Zusammenhang allerdings deutlich.

Ist es denn nicht auch mal wichtig, zum Beispiel an einem Sonntag ganz lange im Bett zu liegen und richtig auszuschlafen?
Aus anderen Gründen ist das wichtig: Das ist reine Entspannung! Wir brauchen Phasen des Abschaltens und Entspannens. Das bringt aber nichts, direkt für den Schlaf. Im Gegenteil, wir laufen Gefahr, in ein zu langes Schlafen zu rutschen. Viele kennen das ja, man schläft sonntags sehr lange, ist aber trotzdem den ganzen Tag nicht so leistungsfähig wie bei seiner normalen Schlafdauer. Aber man ist sehr entspannt und das ist ja auch wichtig!

Wir haben mit Prof. Dr. Zulley auch darüber gesprochen, was wir tun können, um unseren Schlaf zu verbessern. Ihr dürft gespannt auf ein paar Tricks und Kniffe sein!


Von Stephan veröffentlicht vor 3 Jahren

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