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  • A SCREAM #4DIVERSITY: Panel-Diskussion

    Ein Artikel von Maria  maria-specht

    Vielfalt ohne Grenzen und die Rolle der Sozialen Medien

    Während unseres Events "A SCREAM #4DIVERSITY powered by sheego", das wir zusammen mit FOR SINNERS, NOT FOR SAINTS im Rahmen der Berlin Fashion Week veranstalteten, fand eine Panel-Diskussion statt. Unsere liebe Tiffany sprach mit Autorin und Designerin Miyabi Kawai, der Initiatorin der Plus Size Fashion Days Tanja Marfo und den Köpfen hinter FOR SINNERS, NOT FOR SAINTS Nixxon und Jan Paaul über Vielfalt und die Rolle der Sozialen Medien:

    Miyabi Kawai & Nixxon

    Nixxon: Für mich und Jan Paaul ist Vielfalt ganz grob gesagt ein Denken ohne Schubladen. Mit der Idee von "A Scream #4Diversity" haben wir genau das verfolgt: Wir wollen Schubladen miteinander vereinen. Wir wollen nicht eine Kategorie unterstützen, wollen nicht nur in der Plus Size-Szene für Sichtbarkeit sorgen, oder nur die die LGBT-Community unterstützen. Viel mehr geht es darum, dass wir begreifen, dass wir die kleinen Schubladen, in denen wir sitzen, einreißen können und dann viel größer sind als die breite Masse, die uns Normen aufdrücken möchte. Diesen Normen können wir nicht gerecht werden und sollten dies auch gar nicht wollen!

    Miyabi Kawai

    Miyabi: Vielfalt bedeutet für mich: unsere Gesellschaft. Unsere Gesellschaft ist vielfältig. Wir sind eben nicht in Schubladen zu kategorisieren. Dabei geht es nicht nur um sexuelle Orientierung, unser Aussehen oder was auch immer. Meine Kritik an der jetzigen Situation ist nicht, dass wir keine Vielfalt leben, sondern dass sie nicht dargestellt wird, dass sie nicht präsentiert wird. Genau das brauchen wir, denn das sind wir und wir wollen nicht nur eine kleine Schublade sehen, von dem, was vermeintlich wir sein sollen. Dadurch entsteht zum einen ein Gefühl von Ungenügend-Sein, da wir eben nicht in eine bestimmte Kategorie reinpassen. Was natürlich eine Illusion ist, das wissen wir alle! Intellektuell wissen wir das zwar alle, aber fühlen es nicht. Wir finden uns in der Werbung nirgendwo wieder. Und so entsteht ein Gefühl von: “Ich pass hier nicht rein.”. Ich sehe auch heute an diesem wundervollen Abend mit Euch tollen, wunderschönen, sehr unterschiedlichen Menschen, dass wir alle da sind. Wir wollen gezeigt werden! Gleichzeitig wollen wir auch nicht die geschönte Version von Vielfalt sehen. Wir wollen keine Werbekampagne sehen, in der dann eine farbige und eine asiatische Frau, jemand ohne Bein und ein vermeintlicher Homosexueller zu sehen ist, die aber alle wahnsinnig attraktiv sind und Spaß miteinander haben. Bei sowas denke ich, dass auch das nicht unserer Gesellschaft entspricht. Wir sind schön! Aber schön ist eben nicht nur die geschönte Version von Diversität. Ich glaube, dass man auch das sexy und cool inszenieren kann. Und genau dann können wir uns wiederfinden und uns selbst erkennen. Wenn ich ehrlich bin, kan man das auch vom kommerziellen Standpunkt sehen, denn mit dieser Realität lassen sich auch ganz gut Sachen verkaufen! Wir wollen ja Sachen kaufen, von denen wir sehen, dass sie zu uns passen.

    Nixxon & Tanja Marfo

    Tanja: Diversität ist die Triebfeder unserer Gesellschaft. Machen wir alle Menschen sichtbar, könnten wir eine viel bessere und vor allem entspanntere Gesellschaft sein. Ob ein Bein oder ein Arm fehlt, ob wir zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß sind - all diese Limits müssen wir versuchen aufzulösen und allen Menschen eine Plattform geben! Das ist sehr schwer. Solche Events wie dieses hier sind sehr wichtig, um darauf aufmerksam zu machen.

    Tiffany: Ich kann kaum noch etwas hinzufügen. Ich möchte noch betonen, dass Diversität und Body Positivity nicht einfach nur Trends sind, die sich gut verkaufen lassen, sondern dass es wichtig ist, dass diese Themen mehr in der Gesellschaft ankommen. Sie sollten nicht nur schöne Plakate sein, die wir mal in der Werbung sehen, sondern sie sollten wirklich im Leben ankommen. Deshalb haben wir zum Beispiel diesen gemeinsamen Abend, wo genau diese Menschen zusammen kommen, wo man sich austauscht, denn Unterstützung ist super wichtig. Wir alleine können das einfach nicht schaffen, deshalb brauchen wir die Menge. Wir müssen unsere Stimme erheben! Ich finde es wirklich wunderschön, dass wir alle hier zusammen gekommen sind - jeglicher Art, jeglichen Stils, Alter, Frau, Mann, Sexualrichtung - ist mir völlig gleich. Es ist so schön, dass Ihr alle da seid! Heute Abend leben wir Diversität wirklich und das zur Fashion Week, wo sehr viele Stereotypen gefeiert werden, die nicht die Gesellschaft darstellen. Ich finde mich darin nicht wieder und ich glaube, gefühlt 95 Prozent dieser Gruppe hier wahrscheinlich auch nicht. Ich finde es toll, dass wir es wirklich geschafft haben, einen Ort zu finden, einen Ort zu schaffen, wo wir alle als Gleichgesinnte zusammenkommen!

    Was bedeutet für Euch Vielfalt?

    Jan Paaul

    Jan Paaul: Das ist sogar eine der essentiellsten Fragen, die ich mir jemals gestellt habe. Ich blogge seit vier Jahren und bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich mich selbst nicht als Influencer sehe und auch gar nicht mit diesem Begriff in Verbindung gebracht werden will. Ich finde: Jeder, der im Social Media-Bereich arbeitet, sollte für seine Follower, Abonnenten und Leser ein Vorbild sein und den Leuten zeigen, dass es anders geht und wir auf der Welt weder Diskriminierung noch irgendwas in der Art brauchen. Deshalb finde ich es ganz wichtig, dass wir für unsere Leser und unsere Abonnenten da sind und ihnen den Weg zeigen, den sie vielleicht noch gar nicht gefunden haben.

    Miyabi: Ich bin ja auf ganz vielen Hochzeiten unterwegs, wenn man mich ein bisschen kennt, weiß man das. Dazu gehört auch Social Media. Die Sozialen Medien sind für mich kein Teufelswerk. Es liegt an demjenigen, der damit umgeht, wie er damit umgeht. Man kann Instagram und Co. missbrauchen. Wir können damit natürlich eine Scheinwelt erschaffen. Das ist sehr reizvoll. Wir Menschen sind Freunde des Ästhetischen und des Schönen. Das Zeitfenster, damit meine ich das Fenster, was wir vermeintlich als schön empfinden, ist in den Sozialen Medien noch viel zu klein gesteckt. Nur zu gern will man die geschönte Version von sich selbst zeigen. Das wurde zu einem richtigen Markt und jetzt werden wir überschüttet von Bildern, die einfach nur schön sind, die aber nicht der Realität entsprechen. Wir wissen das auch alles, leben es aber nicht! Wir müssen verstehen, dass Social Media ganz anders benutzt werden kann. Wenn ein Account, den man jeden Tag in seinem Feed sieht, frustriert, weil die Welt oder der Körper oder der Lifestyle nicht dem eigenen entspricht, dann kann man diesen Account auch unfollowern! Das ist ein ganz tolles Tool, das ganz viele Leute vergessen haben. Und man kann auch Accounts einfach nicht folgen. Man kann statt auf Account-Suche auf Hashtag-Suche gehen. Und plötzlich sehen wir, dass man die Sozialen Medien nutzen kann, um einfach Interessen zu verfolgen. Dadurch können wir ganz andere Welten entdecken und plötzlich findet etwas statt, was Social Media nämlich wieder toll macht. Es verbindet und wir können unsere Interessen teilen, wir können eine Community aufbauen und wichtige Inhalte, wie zum Beispiel Vielfalt verteilen. Wir können uns gegenseitig stärken und bestärken. Zum Teil findet dieser Prozess auch schon statt, sollte jedoch noch viel übergreifender passieren. Wir dürfen die Sozialen Medien nicht verteufeln, sondern als das nehmen, was sie sind. Sie sind ein Instrument und wir müssen damit verantwortungsvoll umgehen. Mit wir meine ich auch nicht nur die kleine Gruppe, die wir heute sind, denn wir sind so viel mehr. Wir sollten die Sozialen Medien nutzen, um uns zu verbinden und weg von Ausgrenzung und Schubladendenken kommen. Und das ist doch eigentlich ein spannendes Ziel der Sozialen Medien!

    Welche Rolle spielen die Sozialen Medien und was muss sich ändern, damit Diversität eine größere Rolle spielt?

    Tanja Marfo

    Tanja: In meinem Feed gibt es seit neustem den Hashtag “Alpacas” und das macht mich jeden Tag sehr happy, wenn ich bei Instagram rumscrolle. Ich finde den Begriff "Influencer", wie die meisten hier, nicht ganz passend."Sinnfluencer" finde ich sehr viel besser. Das sind für mich Menschen, die einen Sinn in ihrer Arbeit und ihrer Tätigkeit sehen und auf Instagram dadruch tatsächlich einen Mehrwert mitgeben wollen. Wir alle hier wollen eine Gemeinschaft schaffen. Auf den ersten Blick ist Instagram sehr oberflächlich. Doch da wir laut werden, durch solche Events wie heute Abend und durch unsere eigenen Stimmen, schaffen wir eine Gemeinschaft! Daraus entsteht ein Feingefühl, mit Instagram bewusster umzugehen, einen Mehrwert zu schaffen, sich aber auch bewusst Auszeiten zu nehmen. Wir erschaffen eine Sichtbarkeit aller Menschen, auch jener, die vielleicht in den "normalen Medien" nicht dargestellt werden. Nach uns kommt eine Generation, die ein ganz anderes Körpergefühl vermittelt bekommt, die das Thema Body Positivity lebt und Selbstliebe versteht. Die weiß, von was wir reden. Egal wie viele Follower Du hast, wir sind Pioniere unserer Arbeit. Jede einzelne Stimme zählt.

    Tiffany La

    Tiffany: Wir bei Wundercurves merken jeden Tag mit unseren Posts, was für eine extreme Community wir ansprechen. Sie merken, dass sie sich verstanden fühlen und dass es Menschen gibt, die genau so sind, wie sie selbst und nicht abnormal sind. Da wird man sich bewusst, wie stark allein ein Foto sein kann. Wie viel Mehrwert es haben kann, wie viel Gewichtung es hat und bei wie vielen es dafür sorgt, dass es plötzlich Klick macht. Ich zum Beispiel habe durch die Sozialen Medien erst gemerkt, dass es auch andere asiatische Frauen mit Kurven gibt. Denn gerade wenn man an Asien denkt, zeichnet sich schnell das Bild einer kleinen und zierlichen Frau, die noch dazu gut in Sprachen und Mathe ist. Ich kann nichts davon, aber plötzlich merkte ich: "Okay, ich bin anders, weil ich 1,70 m groß , kurvig bin und eine Hüfte habe. Aber bin ich deshalb weniger wert? Werde ich deshalb direkt ausgeschlossen?". Doch wie Ihr schon sagt, der bewusste Umgang mit den Sozialen Medien ist extrem wichtig. Wir sollten keinen Menschen folgen, die uns jeden Tag negativen Input liefern. Die Anzahl der Follower ist heutzutage doch überhaupt keine Aussage mehr. Und ich hoffe, dass auch Marken und Firmen es endlich verstanden haben, dass wir keine 50.000 Follower brauchen, um erfolgreich zu sein. Man kann auch mit weniger Followern, dafür aber mit gutem Content wirklich viel bewegen. Darüber sollten besonders Firmen nachdenken, damit sie ihr Geld auch gut investieren. Es geht darum, Menschen zu berühren, die gegenseite Unterstützung und das Lebensgefühl, das man vermittelt. Firmen sollten positive Menschen bevorzugen und nicht die, die 100.000 Follower haben, irgendwo auf Barbados rumreisen und den ganzen Tag schöne Geschenke bekommen.

    Melina

    Nixxon: Unser Account FOR SINNERS, NOT FOR SAINTS hat keine 100.000 Follower. Wir sind mindestens 89.000 Follower davon entfernt und dennoch erreichen uns Posts von Menschen, die schreiben, dass wir es geschafft haben, sie so zu inspirieren, dass sie auch nach außen die Person sein wollen, die sie innen schon sind. Bei solchen Nachrichten bekommen Jan Paaul und ich Gänsehaut, denn es ist genau das, was wir tun wollen: Wir wollen Inspiration sein!

    Wir haben einen Gastkommentar. Stell Dich doch kurz vor!

    Melina: Ich bin Melina und würde einfach gern eine Sache sagen. Ich war bis vor einem oder anderthalb Jahren auf sehr vielen Events, hab mich dann aber eine Weile komplett aus den Sozialen Medien entfernt. Ich wollte mich selbst erstmal richtig kennenlernen. Als ich auf den ganzen Events war, hatte ich überhaupt kein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Ich war immer total überfordert, sehr schüchtern und hab mich dann danach darüber geärgert. Aber jetzt bin ich hier und fühle mich ganz anders. Ich finde dieses Event so super, besonders der Grund, warum wir alle zusammen gekommen sind. Ich möchte Euch einfach nur sagen - allen, die gerade hier sind, allen die gerade zuhören - Ihr seid wirklich richtig coole Leute! Ihr habt alle so eine tolle Ausstrahlung! Ich saß die ersten 15 Minuten einfach nur da und dachte "Wow”. Dann bin ich durch die Gegend gelaufen, hab Gespräche angefangen und hab das Gefühl bekommen, dass Ihr alle einfach etwas ganz Besonderes ausstrahlt. Ihr seid alle so cool, Ihr macht Euer eigenes Ding. Wisst ihr, die Leute auf der Straße, die an einem vorbeilaufen, die aussehen wie aus jedem Magazin, die schauen sich nicht an, weil sie einfach alle so aussehen. Aber wir sehen halt besonders aus, wir sind einzigartig und ich würde mich richtig freuen, wenn wir das einfach alle auch so ausstrahlen und wir denken: “Ja, ich bin einzigartig und das ist gut so!”

    Nixxon: Dankeschön für Deine schönen Worte.

    Ist Diversity gerade ein Modebegriff, ein Trend?

    Miyabi Kawai

    Tanja: Für mich ist Diversity, genauso wie Selbstliebe und Body Positivity, ein absoluter Trendbegriff, der von sehr vielen Firmen gern genutzt wird. Wenn wir eine Fashion Show sehen, bei der ein Model mit einer Konfektionsgröße 42 läuft, dann ist das sofort Diversität. Zu leicht wird der Diversity-Stempel aufgedrückt, was ich schade finde. Unsere Aufgabe ist es, Firmen mehr abzuholen, ihnen zu zeigen, dass es nicht nur um Abverkauf und Umsatz geht, sondern das vor allem die Emotionen im Vordergrund stehen und man eine Wertsteigerung der Marke erst erreicht, wenn man mehr Menschen sichtbar macht. Ich finde mich in einem einzigen Magazin in Deutschland wieder, dass ist das Curvy Magazine von der lieben Carola Niemann, die mich aufs Cover gepackt hat. Das war für mich ein Schritt, der mir zeigte, dass ich es trotz Konfektionsgröße 54 auf ein Magazincover schaffen kann. Das hätte ich gern meinem jüngeren Ich erzählt. Wir müssen an uns und an die eigene Mission glauben. Gleiches waren für mich die Plus Size Fashion Days. Das ist die einzige Veranstaltung in Deutschland, die große Größen und damit meine ich ALLE großen Größen, also von 42 bis 56, präsentiert. Dieses Jahr bringe ich sogar zum ersten Mal Frauen mit den Größen 36 bis 60 auf den Laufsteg. Mir ist egal, ob Menschen klein sind, groß, alt, dünn, dick oder kein Bein haben. Ich möchte, dass diese Menschen endlich sichtbar werden. Genau das müssen wir den Firmen immer wieder erklären, denn das ist Vielfalt und Diversität.

    Miyabi: Ich finde Deinen Ansatz sehr schön, dass du sagst, Du willst gern Größe 36 bis 60 zeigen. Ich möchte nochmal auf mein erstes Statement zurück kommen. Diversität ist definitiv ein Trendbegriff, dass war aber Feminismus auch mal. Die erste Generation der Feministen musste ihre BHs verbrennen, damit wir, und ich bin sehr dankbar dafür, uns heute über Inhalte austauschen können. Sie haben nicht nur ihre BHs verbrannt, sie haben uns den Weg geebnet, sodass wir hier stehen können und wählen dürfen, einen Job ausführen können und unsere Väter und Ehemänner nicht mehr für uns unterschreiben müssen. Es ist viel passiert, aber sie wurden erst laut. Sie mussten laut werden. Wir sind vielleicht jetzt, wie wir hier stehen, die Generation, die ebenfalls laut werden muss. Natürlich nimmt die Industrie Trends auf. Aber die Industrie, die Gesellschaft, die Medien, das alles sind auch wir. Ich bin kein Freund von “Die gegen uns”. Ob es jetzt die sind oder die Leute, die der Norm entsprechen, die wahnsinnig viel dafür tun oder so geboren wurden. Wir sind alle! Auch die Industrie, die es noch nicht verstanden hat, oder auch die Industrie, die darin keine Zielgruppe sieht. Die Industrie passt sich seinen Käufern bloß an und die Käufer müssen laut werden und mehr zeigen, mehr verlangen oder Sachen, die wir eben nicht mehr sehen wollen, auch nicht mehr kaufen. Kurz gesagt: Ich bin wie gesagt kein Freund davon auszugrenzen, sondern ich glaube, wir sollten verstehen, dass wir alle an einem Strang ziehen. Wir müssen uns an die halten, die es schneller begreifen, und miteinander wachsen.

    Jan Paaul, Miyabi, Nixxon & Tanja

    Nixxon: Das finde ich auch sehr gut! Ich will nochmal ein Wort von Miyabi aufgreifen, Du hast gesagt, sie haben ihre BHs verbrannt und sind laut geworden. Dieses Event heißt genau aus diesem Grund "A Scream #4Diversity". Wir sind der Meinung, dass wir laut werden müssen. Wenn Ihr Euch umschaut, alle miteinander und Euch das Gegenüber anschaut und das Nebenan, dann seht Ihr, dass wir hier keine Schubladen haben. Wir haben hier alles, weil wir alles haben wollen. Das ist der Raum, in dem die Inklusion gelingt und gefeiert wird. Wir werden mit Euch allen gemeinsam laut, damit alle anderen es auch hören und mit uns einstimmen können. Das ist "A Scream 4 Diversity".

    Tiffany

    Tiffany: Ich sehe auf jeden Fall einen riesen Fortschritt. Vor allem durch Labels, die Unisex anbieten. Marken, die sagen, ein Kleid kann eine Frau, aber auch ein Mann anziehen. Völlig egal, je nachdem worauf Du Bock hast, zieh es an! Generell gibt es mittlerweile All-Size-Labels. Es ist für viele natürlich vor allem von den Schnitten her eine Herausforderung, weil die Proportionen sich verändern. Dennoch sagen sie: Wir wollen nicht nur eine Person haben, nicht nur eine Zielgruppe, sondern wir möchten alle abdecken, wir möchten mit unserer Mode Menschen glücklich machen und damit alle einschließen. Gleichzeitig möchte ich mehr Mode sehen, die nichts mehr versteckt, die schöne Volants und Mesh-Einsätze hat, die eben nicht sackig an einem herunterhängt. Ich möchte, mehr Labels sehen, die Unisex und auch All-Size-Kollektionen anbieten, wie zum Beispiel Nike, die einfach eine kurvige Schaufensterpuppe in den Laden stellen. Ich möchte mehr Labels, wie ASOS, die Models vor die Linse stellen, die nicht viel retuschiert werden, wo wir Cellulite oder Dehnungsstreifen sehen. Ich möchte mich angesprochen fühlen.

    Tanja: Ich wünsche mir für die Zukunft auf jeden Fall das Aufheben von Grenzen. Nicht nur unsere eigenen, die wir im Kopf haben, sondern insgesamt. Ich möchte, dass Einkaufen für alle zum Erlebnis wird. Und ich möchte, dass in den Medien mehr diverse Themen gezeigt werden. Dass was wir bisher sehen, wird gern noch sehr geschönt gezeigt. Doch die wahre Diversität muss sichtbar gemachen werden, auch wenn es nicht massenkompatibel ist.

    Miyabi: Ich wünsche mir, dass Diversity weniger ein Begriff ist, den wir immer nur mit mit Marken, Kommerz oder dem Verkauf von irgendwas verbinden. Denn Diversität ist etwas, das wir leben. Ich wünsche mir auf jeden Fall auch mehr Größenvielfalt, habe jedoch eine andere Haltung zu All-Size. Ich bin Designerin und kreiere Schnitte und weiß, es funktionieren nicht alle gleich. Man kann es sich zum Ziel setzen, dass man alle einkleidet. Manchen steht das eine und manchen eben nicht. Aber ich glaube, dass wir da keine Grenzen haben sollten. Es muss mehr Marken geben, die große Größen und schöne Mode machen. Ich glaube, dass Vielfalt, wenn wir sie leben, etwas ist, was wir sehen, wenn wir rausgucken. Türken heiraten Deutsche, Muslime und Juden leben zusammen, wir leben etwas, das wir in den Medien nicht sehen. Da sehen wir Kategorien und das Gegeneinander. Was ich mir wünsche für die Zukunft ist, dass es diesen Gemeinschaftsgedanken mehr gibt. Dieser muss aber in unseren Köpfen mehr gelebt werden und er muss mehr ausdrückt und natürlich auch repräsentiert und visualisiert werden. Wir sind keine kleine Einheit. Es gibt nicht die Masse, die anders ist. Wir sind die Masse! Also ich hoffe, dass sich dieser Gedankengang ändert. Dass wir merken, dass wir unsere Stimme, jede einzelne, auch politisch nutzen, weil da haben wir einige Probleme in der Welt und in Deutschland. Ich wünsche mir, dass wir miteinander leben und wer nicht miteinander kann, zu koexistieren. Das wünsche ich mir und das verstehe ich unter Diversität.

    Nixxon: Ja, dem kann ich mich nur anschließen. Wir wollen Schubladendenken abschaffen. Es gibt kein wir, es gibt kein die, es gibt nur uns! Es gibt kein dick, es gibt kein dünn, es gibt kein groß, es gibt kein klein, es gibt Menschen! Und das ist das eine, was wir alle gemeinsam haben und wenn wir das als Mindset nutzen und es uns immer wieder klar machen, dann sollte das eigentlich kein Problem sein. Und dann schreien wir mal alle zusammen "4 Diversity".

    Wo seht Ihr die Bewegung von Diversity in der Zukunft? Was wollt Ihr unbedingt sehen?

    Wer ist wer?

    Miyabi Kawai

    Miyabi Kawai

    Miyabi ist Modedesignerin, Stylistin und und Buchautorin. Ihr neues Buch "Dem Meer ist egal, ob Du eine Bikinifigur hast" dreht sich um Selbstliebe und das Verständnis, den eigenen Körper so zu akzeptieren und zu lieben, wie er ist. Zudem überrascht sie uns in diesem Jahr mit insgesamt vier Kollektionen, die sie zusammen mit dem Plus Size-Label sheego kreierte.

    Tanja Marfo

    Tanja Marfo

    Tanja Marfo ist Unternehmerin, Initiatorin der Plus Size Fashion Days, die jährlich in Hamburg stattfinden und dieses Jahr den Titel Diversity Fashion Days tragen, und füllt ihren eigenen Blog Kurvenrausch mit den neusten Trends. Doch all das reicht Tanja noch nicht, als echtes Allround-Talent modelt sie auch noch und war zuletzt auf dem Cover des "THE CURVY MAGAZINE" zu bewundern. Ein Herzensprojekt ist es, die Modewelt ein klein wenig diverser zu machen.

    Jan Paaul & Nixxon

    Jan Paaul & Nixon

    Jan Paaul und Nixxon sind die kreativen Köpfe hinter dem Blog FOR SINNERS, NOT FOR SAINTS. Beiden geht es sehr viel weniger darum, wer sie sind, sondern viel mehr darum, was die beiden tun. Die Berliner Jungs schreiben auf ihrem Blog regelmäßig über die kleinen und großen Versuchungen des Lebens und setzen sich dafür ein, dass Schubladendenken bald der Vergangenheit angehört.

    Tiffany La

    Tiffany La

    Tiffany ist Mitgründerin von Wundercurves und unterstützt unser Team in allen Fragen zur Figur- und Stilberatung, Shapewear, Trends und ist bei Events immer mit am Start. Seit Tag Eins brennt sie für unsere Vision, kurvigen Frauen moderne Mode zu zeigen und ihnen das beste Shopping-Erlebnis zu ermöglichen! Tiffany liegt es besonders am Herzen, dass Body Positivity und Vielfalt nicht nur ein Trend, sondern ein Lebensgefühl ist.

    Melina Budde

    Gastsprecherin Melina Budde

    Melina sorgte 2017 bei der 12. Staffel von Germany's Next Topmodel als Transgender für Aufsehen. Damals wie heute ist sie der Überzeugung, dass Klischees überbewertet sind und der erste Eindruck oft täuscht. Nach fünf Folgen musste Melina zwar ihre Koffer packen, doch ihre Modelkarriere nahm dennoch ihren Lauf, so war sie 2018 im Werbespot #nouniform der Marke Blutsgeschwister zu sehen und modelte unter anderem für REVÉ by RENÉ.